Rohstoffe

Rohstoffe

 

Als Brennmasse werden heute verschiedene Wachse verwendet.

Den weitausgrößten Anteil nimmt dabei das Paraffin ein.

Ein verhältnismäßiger kleiner Prozentsatz der Kerzen wird aus Stearin, aus Bienenwachs oder aus Mischungen dieser drei genannten Wachse hergestellt. Für Öllichte und Kompositions-Öllichter werden gehärtetes Pflanzenöl,  festes Pflanzenfett oder Öle und Fette tierischen Ursprungs benutzt.

Manchmal werden auch Hartwachse

beigemischt.

Damit können die Verarbeitungsfähigkeit der Zug und Gießmassen, der Härtegrad oder der Glanzeffekt des Außenmaterials günstig beeinflusst werden.

 Wir bleiben jedoch bei dem derzeit am häufigsten gebrauchten Wachsen:

Paraffin

 

Chemisch gesehen ist Paraffin ein Gemisch aus gesättigten, geradkettigen und verzweigten Kohlenwasserstoffen (Alkane).

Paraffin-zwischen 1830 und 1840

erstmals für die Kerzenherstellung eingesetzt-

wird heute überwiegend aus den fossilen Rohstoffen Erdöl gewonnen.

Bei der Destillation des Rohöls werden-entsprechend ihrer unterschiedlichen Siedepunkte-verschiedene Produckte herausgetrennt (fraktioniert),

aus denen die Paraffingatsche gewonnen werden.

Mit Hilfe aufwendiger Verfahrensstufen-Destillation, Entölung, Filtration, Hydroraffination-erfolgt deren Aufarbeitung und sorgfältige Reinigung zu Paraffinen.

Die so gewonnenen Paraffinqualitäten sind ungiftig, weiß und praktisch geruchsfrei. Der Erstarrungspunkt liegt bei 45 °Celsius.

Weitere wichtige Unterscheidungskriterien sind Härte, ölgehalt und Viskosität.

Infolge seiner chemisch-physikalischen Eigenschaften ist Paraffin für alle 

Kerzenherstellungsverfahren und bildet aufgrund seiner großen heute den Hauptrohstoff in der Kerzenindustrie.

In enger Zusammenarbeit zwischen Wachszieher und Paraffinproduzenten können durch Rohstoffauswahl und Steuerung der Anlagen die für den jeweiligen Anwendungsfall-Kerzentyp und Herstellungsverfahren-geeignete Paraffine hergestellt werden.

Bei sorgfältiger Dochtabstimmung wird ein störungsfreier, sauberer Abbrand erreicht.

Mischungen und "Kompositionen" mit artverwandten Produkten erweitern die Vielfalt dieses Rohstoffs und seiner Anwendungsmöglichkeiten.

 

 

Stearin

 

1825 gelang es den französischen Chemikern Gay Lussac und Chevreut, aus tierischen Fetten (Talg) Stearinsäure herzustellen.

Chemisch gesehen handelt es sich bei Stearinsäure um ein Gemisch

verschiedener Fettsäuren (im Wesentlichen Palmin-und Stearinsäure).

Der Schmelzpunkt liegt bei 52° bis 60°Celsius.

Die Stearinsäure wird aus natürlichen Ölen und Fetten mit Hilfe modernster Technik gewonnen.

Stearinkerzen werden wegen ihrer feinen Kristallstruktur und der natürlichen Weißtrübung vom Verbraucher geschätzt.

Die gute Temperaturstabilität bzw. das Stehvermögen der Stearinkerze ergibt sich dadurch, dass der Erweichungspunkt nahezu identisch ist mit dem Erstarrungspunkt, während bei Paraffin durchaus eine Differenz von 20° Celsius und mehr möglich ist.

Die Stearinkerze zeichnet sich aus durch ein ausgezeichnetes Brennverhalten mit einer hellen, ruhigen Flamme und einem angenehmen Geruch beim Abbrennen sowie einer gut ausgebildeten Brennschüssel.

Durch die Mischung von Paraffin und einem Anteil Stearin entsteht die

Kompositionskerze.

Hierdurch lassen sich begrenzt die Vorteile von der reinen Stearinkerze übertragen. 

 

Bienenwachs

 

Bienenwachs ist ein Stoffwechselprodukt der Honigbiene.

Das Wachs wird aus den Wachsdrüsen der Arbeitsbiene abgeschieden und als Baumaterial für Brut und Honigwaben verwendet.

Nach Entnahme des Honigs werden Bienenwaben aufgeschmolzen

und die Schmelze mechanisch von groben Ablagerungen getrennt. Das gewonnene Wachs gelangt als "rohes Bienenwachs" in den Handel. Es enthält noch kleinste Verunreinigungen.

Die vollständige Reinigung erfolgt üblicherweise durch physikalische Verfahren (Bleiche / Kontaktfiltration). Das Bienenwachs bleibt chemisch unverändert und behält den charakteristischen, honigartigen Geruch. Je nach Intensität der Bearbeitung kann die Farbe braun, orange, hellgelb oder Elfenbein sein. Bei hochwertigen Provenienzen kann eine fast weiße Farbe erzielt werden.

Hauptbestandteil des Bienenwachses sind mit 70 - 80% Wachsester, die zu einem großen Teil aus Palminsäure und Wachsalkoholen gebildet werden. Weitere Bestandteile sind mit ca. 15% freie Wachssäuren und mit einem Anteil von bis zu 18%-bienenwachstypische-Kohlenwasserstoffe.

Bienenwachs zeigt eine mäßig harte Konsistenz, es wird durch Handwärme knetbar und plastisch, ohne zu kleben.

Der Schmelzpunkt liegt bei 63° Celsius. An glatten Oberflächen bildet sich nach Lagerung ein typischer mehr oder weniger intensiver Belag, der durch Kristallisation der Moleküle verursacht wird (nicht durch biologische / chemische Vorgänge wie Alterung, Schimmel, Fäule).

Traditionell ist Bienenwachs ein wesentlicher Rohstoff zur Herstellung von sakralen, sowie hochwertigen Schmuck und Zierkerzen.

Es kann nach allen üblichen Fertigungsmethoden zu Kerzen verarbeitet werden. Die Brenneigenschaften vollständig gereinigten Bienenwachsen sind problemlos, die gefertigten Kerzen  brennen rückstandsfrei mit gleichmäßiger Flamme.

Docht

 

Der Docht hat einen seht bedeutenden Einfluss auf den Kerzenabbrant.

Von seiner Beschaffenheit und richtigen Auswahl 

hängt zum größten Teil das einwandfreie Brennen der Kerze ab.

Die Dochte werden aus einer Faser-vorzugsweise aus Baumwolle-geflochten.

Man unterscheidet im Wesentlichen zwischen Flach-und Runddocht, die je nach den zu verarbeiteten  Rohstoffen und Herstellungsverfahren zum Einsatz kommen. Die Dochte werden aufbereitet, d.h. gereinigt, präpariert und evtl. gebleicht. Die Präparation soll u.a. dazu dienen, das Nachglühen beim Auslöschen der Flamme weitgehend zu verhindern und für einen gleichmäßigen Abbrand bei ruhiger Flamme zu sorgen.

Zusätzlich übt die Flechtung einen entscheidenden Einfluss auf die optimale, leichte Dochtkrümmung aus.

Die Dochtspitze muss sich zum äußeren Flammenrand biegen, wo Sauerstoff in die Reaktionszone einfließt, so dass eine völlige Verbrennung stattfinden kann. Würde die Dochtspitze in der Flamme verbleiben, so wäre die Verbrennung unvollkommen und es entstünden Rußpilze.

Besondere Anforderungen bezüglich der Qualität werden an die Dochte für Lichte, die in Behältern abgebrannt werden, gestellt.

Die in den Behältern entstehende größere Menge flüssiger Brennmasse erfordert eine besonders gute Standfestigkeit des Dochtes,

die durch eine härtere Wachsschicht und eine am Fuß des Dochtes angebrachte Metallplatte erreicht wird.

Ein zu schwacher Docht kann das geschmolzene Wachs der Brennschüssel nicht aufsaugen. Die Schüssel läuft über, die Kerze rinnt.

Ein zu starker Docht lässt die Flamme zu groß werden,

die Brennschüssel ist ständig leer, die Verbrennung unvollkommen,

die Flamme raucht (rußt). 

 

Farbe

 

Die Farbgebung in der Kerzenindustrie unterliegt heute den verschiedensten Modetrends.

Immer mehr Farben und Farbnuancen werden kreiert.

Technisch wird zwischen Farben zum Übertauchen und zum Durchfärben unterschieden.

Beim Übertauchen werden hauptsächlich Farben eingesetzt, die auf organischen Pigmenten basieren.

Die Durchfärbung erfolgt entweder auch mit diesen Farben oder mit löslichen Farbstoffen.

Der Vorteil der auf Pigmentbasis aufgebauten Farben besteht darin, dass diese gut Lichtbeständig sind und nicht in die Verpackung abwandern (migrieren).

Allerdings können Pigmentfarben, hauptsächlich im dunklen Farbbereich, zu Brennschwierigkeiten führen, insbesondere wenn Kerzen damit Durchgefärbt werden.

Die Farbgebung ist nicht nur von der Farbe, sondern auch von dem einzufärbenden Material abhängig.

Daher ist es erforderlich, dass der Kerzenhersteller die Farben nicht nur nach dem Katalog bestellt, sondern zuvor eine Probe-Einfärbung auf seinem eigenen Material vornimmt.

Lacke

 

Um Kerzen besonders dekorativ zu gestalten, ist die Oberflächenveredelung mit Lack eine attraktive Möglichkeit.

So entstehen hochglänzende, gold-, silber-oder perlmutlackierte Kerzen.

Auch außergewöhnliche Effekte der Kerzenoberfläche sind mit einer Lackierung erreichbar wie Metallic-, Eiskristall-und Flittereffekte.

Diese sehr dekorativen Kerzen sind gut als Tisch und Baumschmuck kombinierbar.

Die schnell trocknenden, wasserverdünnten Lacke sind speziell für die Produktionsverfahren entwickelt.

Bei Großserien werden die Kerzen mit Tauchautomaten, bei individuellen Sonderanfertigungen mit der Hand getaucht.

Um die empfindliche Oberfläche zu schützen, sind diese Kerzen zumeist einzeln in Folie verpackt.

Es wäre zu schade, wenn die hauchdünne Lackschicht schon vor der Verwendung der Kerze beschädigt werden würde.

Die dünne Schicht sorgt auch dafür, dass die Brenneigenschaft der Kerze nicht beeinträchtigt wird.

An die Umwelt wird bei der Oberflächenveredelung ebenfalls gedacht.

Wasser-verdünnbare Lacke sind auf dem Vormarsch.